Erst durch meine letzte Untersuchung eines verunfallten Tauchers wurde ich wieder hellhörig. Als Mediziner setzen wir das Verständnis für eine Durchfallerkrankung auf einer Reise als allgemein vorhanden voraus. Da dem aber nicht so ist, gibt es nun ein paar Hinweise:


Definition einer unkomplizierten Durchfallerkrankung: Sie rennen täglich mehr als 3x auf die Toilette und setzen dabei ungeformte Stühle ab. Mit anderen Worten es rinnt zumindest als mehr oder weniger dicker Brei aus einem heraus. Da in Ländern wie Ägypten fast alle Urlauber öfter die Toilette aufsuchen, liegt die Grenze nicht nur im „Wie häufig?“ sondern besonders im „Wie flüssig?“. Tatsache ist, dass wir wenn sich unser Stuhlverhalten in diese Richtung ändert, wir mehr Flüssigkeit als normal verlieren.
Der Begriff „unkompliziert“ kommt daher, dass nur milde Begleiterscheinungen, wie Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Druckgefühl im Bauch vorliegen.

Wenn es „kompliziert“ wird, kommen schwerere Nebenerscheinungen hinzu, wie: Blutbeimengungen im Stuhl, Bauchschmerzen, Fieber, Kreislaufschwäche, Herzbeschwerden, Probleme beim Wasserlassen, oder z.B. Schwindel oder Erbrechen.

Von einer Reise-Diarrhoe / Reise-durchallerkrankung spricht man, wenn diese typischerweise zwischen dem 3. und 7. Tag des Aufenthaltes eintritt. Oft verbunden mit ca. 6 Toilette-Besuchen am Tag. Nach 3-4 Tagen ist der Spuk vorbei, da man sich an die dort lokal vorherrschenden Bakterien gewöhnt hat. ( = Ausbildung einer relativen Immunität im Fachbegriff). Die überwiegende Mehrzahl der Erkrankungen wird von Bakterien (ca. 70%) ausgelöst. Auch saisonale und gebietsspezifische Schwankungen treten auf. So sind z.B: bestimmte Viren (Noroviren, welche gerne auch Kinder befalllen) gerne auf Kreuzfahrtschiffen. Auch bei der Reise-Diarrhoe macht die Dosis das Gift, d.h. je mehr Bakterien/ Viren ich mit der Nahrung aufnehme, desto heftiger kann die Reaktion sein.

Wer ist gefährdeter für einen Reise-Durchfall als andere:

  • Personen mit weniger Magensäure:
    • Kleine Kinder
    • Personen nach einer Magenoperation und Teilentfernung des Magens
    • Personen, die regelmäßig Säureblocker einnehmen (müssen): Stichwort, PPI = ProtonenPumpenInhibitoren

Hilfe zur Selbsthilfe / Therapie:

Wichtig ist den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, welches offiziell nach den Empfehlungen der WHO (ORS = Oral Rehydration Solution, Rezeptur folgt unten) geschehen sollte. Die entsprechenden Produkte heißen z.B. „Normolyt oder Normhydral“. Sollten Sie dies nicht in Ihrer Reiseapotheke haben oder nicht mehr haben kann man sich mit Hausmitteln weiterhelfen.

  • Ausgesprudeltes Cola 1:1 mit abgekochtem Wasser, dazu Salzgebäck (Soletti, Chips, Brezeln, etc...)
  • Ausgesprudeltes Cola 1:1 mit industriell verpacktem Orangensaft mit etwas Salz (2-3 Prisen, NICHT teelöffelweise!)

WICHTIG: Das Cola muß ein normales Cola (=zuckerhältig) sein, also NICHT Cola Zero, Cola Light oder Diet Cola.

Eine Linderung der Beschwerden kann auch durch Einnahme von Loperamid (Handelsname: Imodium®) erreicht werden. Allerdings was raus muß sollten Sie auch raus lassen, sonst bleiben all die Milliarden schädigenden Bakterien in ihrem Darm und müssen erst mühsam eliminiert werden. Besser ist Pause machen, Nähe zur Toilette suchen und trinken, wie oben angegeben so viel wie geht.

Sogenannte Probiotika - wie im mitteleuropäischen Raum besonders beworben - können Ihnen vielleicht ein bißchen helfen, da es aber dazu keine „hard facts“ gibt und Sie dies in südlichen Ländern ohnehin nicht bekommen, vergessen Sie diese gleich wiedeer.

Als Medikament - in Form eines Antibiotikums - für die Reiseapotheke in den Händen von Laien kann man noch Coldimin (Rifaximin) empfehlen. Dieses Antibiotikum wirkt NUR im Darm und sonst nirgends, da man allerdings nicht einfach kritiklos zu einem Antibiotikum greifen sollte, bitte erst einmal ohne probieren.

Das Beste zum Schluß - Was Sie präventiv noch tun können:

Alles was die Menge der Ausschüttung an Magensäure erhöht, schützt Sie vor Darmerkrankungen, da die Säure mehr Bakterien töten kann, sollten zuwenige davon in den Darm kommen können diese nichts ausrichten - Sie bleiben gesund. Möglichkeiten die Säureausschüttung zu erhöhen:

  • Hochprozentiger Alkohol, wie Whisky (enthält zusätzlich noch Gerbsäuren!) - vor dem Essen!
  • Bitterer Tee
  • Typische Digestivs, ala Kräuterschnäpse - mit anderen Worten bitter und hochprozentig. (z.B. Fernet Branca und andere)
  • Scharfe Speisen

Nun der unvermeidliche Spruch, welcher angesichts der sich biegenden Buffet-Platten im Hotel oder Safari-Schiff, wahrscheinlich sinnlos ist: Vermeiden Sie folgende Nahrungsmittel oder bedenken Sie zumindest, daß die aufgenommene Menge eine wichtige Rolle spielt: Rohes Gemüse, offenes Wasser und/ oder Eiswürfel, offene Getränke, rohe Eier und Produkte daraus (z.B. Eis), Fruchtsalate, rohes Fleisch und roher Fisch, Würste, rohes dünnschaliges Obst, Produkte aus unpasteurisierter Milch.




Quelle: Haditsch, Martin: Reisediarrhö – Traveler’s Runs, JATROS Infektiologie 10/2009, Dieser Artikel wiederum bezieht sich auf folgende Quellen:

Freedman et al: Spectrum of disease and relation to place of exposure among ill returned travelers. N Engl J Med 2006; 354: 119-130
Von Sonnenburg F et al: Risk and aetiology of diarrhoea at various tourist destinations. Lancet 2000; 356: 133-134
Gracey M: Diarrhea and Malnutrition: A Challenge for Pediatricians. J Ped Gastro Nut 1996; 22: 6-16
Leonard J et al: Systematic review of the risk of enteric infection in patients taking acid suppression. Am J Gastroenterol 2007; 102: 2047-2056
Hoge CW et al: Trends in antibiotic resistance among diarrheal pathogens isolated in Thailand over 15 years. Clin Inf Dis 1998; 26: 341-345
Hakanen A et al: Fluoroquinolone resistance in Campylobacter jejuni isolates in travelers returning to Finland: association of ciprofloxacin resistance to travel destination. Emerg Infect Dis 2003; 9: 267-270
Sartor RB: Therapeutic manipulation of the enteric microflora in inflammatory bowel diseases: antibiotics, probiotics, and prebiotics. Gastroenterology 2004; 126: 1620-1633
McFarland L: Meta-analysis of probiotics for the prevention of traveller’s diarrhoea. Travel Med Inf Dis 2007; 5: 97–105
Peltola H et al: Prevention of Travelers´ Diarrhoea by oral B-subunit/whole-cell cholera vaccine. Lancet 1991; 338: 1285-1289
Scerpella EG et al: Safety, immunogenicity, and protective efficacy of the whole-cell/recombinant B subunit (WC/rBS) oral cholera vaccine against travelers´ diarrhea. J Travel Med 1995; 2: 22-27
Steffen et al: Cholera: assessing the risk to travellers and identifying methods of protection. Trav Med Inf Dis 2003; 1: 80-88
Weinke T et al: Impfprophylaxe gegen ETEC-Reisediarrhö und Cholera: Ist es sinnvoll und für wen? Dtsch Med Wochenschr 2006; 131: 1660-1664
Steffen et al: Vaccination against enterotoxigenic Escherichia coli, a cause of travelers´ diarrhea. J Travel Med 2005; 12: 102-107






Zusammensetzung der „Oral Rehydration Solution“: Glukose 111mmol/l, Na+ 90mmol/l, K+ 20mmol/l, Hydrogencarbonat (HCO3–) 30mmol/l, Cl– 80mmol/l

Dazu muß man folgende Substanzen in 1 Liter Wasser auflösen:
Glukose, wasserfrei (20g)
Natriumhydrogenkarbonat (2,5g)
Natriumchlorid (3,5g)
Kaliumchlorid (1,5g)

Durch Auflösen dieser Substanzen in 1 Liter Wasser erhält man eine Lösung, welche sehr gut im Körper aufgenommen wird und Ihnen Flüssigkeit zuführt. Sie können sich vom Apotheker ein paar Säckchen mischen lassen (Gibt es aber auch fertig). Beachten Sie, dass Sie unter Umständen „Erklärungsbedarf“ am Zoll haben, was das für ein weißes Pulver in den kleinen Säckchen ist! (Also fertig kaufen!)